Reise ins Herz der Finsternis

17 Jun 2021  -  15 Jul 2021

Eine interaktive Raum/Klanginstallation

 

Wenn die Maschine mal läuft, dann braucht es sicher eine Ewigkeit, sie wieder zum Schweigen zu bringen

 
Konzeption/ Komposition/ Klangregie: Konstantin Jahn
Patching/ Sound Design/ Technik: Stefan Pommer + Flo Panhölzl
Bildhauerei: Mirjam Mercedes Salzer
Projektleitung/ Dramaturgie: Valentin Jahn
Sprecher: Onno Ennoson
Organisation: Maximilian Kaufmann
 
Die interaktive Klangrauminstallation„Reise ins Herz der Finsternis“ arbeitet an den Schnittstellen von generativer Komposition und algorithmischer Systemarchitektur.
Auf den Spuren von Louis Ferdinand Celine und Joseph Conrad führt dieser synästhetische Trip ins abgründige Herz des Kapitals, an die dunklen Ränder und offenen Wunden der (kapitalistischen) Kultur.
Der von Sensorik abgetastete Raum übersetzt menschliche Bewegungen und Artikulationen in Codes; die Rezipienten werden angehalten durch das Hören zu suchen und die Klangräume zu rekonstruieren. Ob sie sich dabei im elektrischen Dschungel zu orientieren vermögen oder in den Echoräumen verloren gehen, entscheiden die im Raum als Darsteller anwesenden Algorithmen.
Eine Pure Data-Maschinerie zerlegt Zitate von Renaissance-Motetten, New Age Klängen und easy listening in „nackte“ Sinustöne und setzt sie mittels euklidischer Rhythmen, fraktaler Prinzipien oder Markov-Ketten
neu zusammen. Mikrotonale Cluster, spektrale Klangschichtungen und ätherischen Soundscapes treffen auf die poetisch-bizarre Nomenklatur des Welthandels und historische Wachswalzenaufnahmen aus dem kolonialisierten Kongo.
In Dub-Delays und den abgründigen Hallräumen venezianischer Mehrchörigkeit entfalten sich gleich einem infernalen Spiegelkabinett die dechiffrierten (Klang-)Bilder des Kapitalismus: die Shopping Mall als Tempel,
der Kongo als (post-) kolonialer mörderischer Selbstbedienungsladen, der Kapitalismus als ewiger Feiertag, als Kult, mit universalisierte(r)n Schuld(en), einem unsichtbaren, geisterhaft verhülltem Gott und der Behauptung des Übermenschen.
Über allem steht das Sinnbild des Dschungels: Das Unvorhersehbare, das Undurchdringbare, das Mörderische als natürlicher Lebensraum.
Die Bildhauerin Mirjam Mercedes Salzer übersetzt diese Zeichen durch eine Verschränkung zerstörter Natürlichkeit und Renaturalisierung des Zerstörten. Kranke Eschenwurzeln und mit Moos überwucherte Betonabgüsse ebendieser unlebendigen Natur stehen im Mittelpunkt der visuellen Installation. Der Raum wird Labor, wird synthetisches Experiment. In fahles toxisches Licht getaucht erzählen diese dezent platzierten, verkabelten Baumleichen die Geschichte kapitalistischer Ausbeutung.
Entlang dieser Zeichen verschränken sich die Disziplinen der Raum- und Klangarchitektur zum digitalen/elektrischen Dschungel.
 
Eine Co-Produktion mit dem Odeon Theater Wien